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Unternehmerseminar „Mehr“ in Baden-Baden am 30./31.03.2014: Ein voller Erfolg!

Die, die uns schon seit langen Jahren begleiten, hatten bereits im letzten Jahr (und davor im vorletzten Jahr usw.) die Feststellung geäußert, das jeweils stattgefundene Seminar sei nicht mehr zu toppen. Aber – wie auch in der Vergangenheit – haben wir auch dieses Jahr wieder gemeinsam eine Steigerung erreicht! Es war ein außerordentlich gut gelungenes und sehr harmonisches Unternehmerseminar, an dem wir alle haben teilnehmen können, und ich auf keinen Fall versäumen möchte, mich bei allen Akteuren und (keineswegs bloßen) Zuhörern (sondern Förderern der Veranstaltung) zu bedanken! Ich hoffe, wir finden auch im nächsten Jahr wieder eine gemeinsame Gelegenheit, uns zu „Mehr im Brenners“ zu treffen, wobei Sie schon einmal vorsorglich den 19. und 20. April 2015 reservieren mögen.

Guter Gewohnheit folgend, fassen wir die Veranstaltung in kurzen Erinnerungspositionen zusammen:

Das get together am 30.03. war schon ein Knaller! Bernd Dinter, Direktor für Kunst, Kultur und Stiftungen bei Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG & Co. KGaA, exzellenter Kenner der Musikszene mit den besten Kontakten zu deren Protagonisten, entführte uns bei seinem Vortrag „Führen und Dirigieren“ in eine musisch fundierte, aber dennoch rational geprägte Welt der Dirigenten, die erst, wie wir gehört haben, das Werk eines Komponisten durch ein Orchester zur Blüte bringen, indem sie das Orchester zu einem Klangkörper ausprägen!

Die Beispiele, die Herr Dr. Dinter zu großen Dirigenten dieser Zeit schilderte, waren beeindruckend, sei es der beim Dirigieren eingeschlafene Dirigent, der nach dem Aufwachen erfuhr, seine Maestro-Arbeit sei großartig gewesen, sei es der imaginär empfindende Dirigent, der kleine Taktabweichungen seines zweiten Hornisten beanstandete, obwohl dieser gar nicht anwesend war! Dirigieren im Sinne von Führen heißt: Mit hoher Empathie die Gefühle des Komponisten nachzuempfinden, an sein Orchester zu vermitteln, das dann den Künstler und Komponisten an die Herzen des Publikums heranführt. Dabei hat Herr Dinter anschaulich die Parallelen zur Unternehmenswelt gezogen – und damit nachvollziehbare „Mehr“-Werte geschaffen.

Zu Caroline Diel als Unternehmernachfolgerin des Schloßguts Diel an der Nahe gibt es nur eine Bemerkung: Großartige Weine großartig zu offerieren, ist eine großartige Begabung und zeichnet den großartigen Winzer aus! Es hat wieder einmal Freude gemacht, Spitzenweine zu verkosten, um so den nächsten Weineinkauf vorzubereiten und sich zu orientieren. Wir freuen uns schon auf die Horizontal-Verkostung im nächsten Jahr, die uns Caroline Diel vor den anwesenden „Zeugen“ zugesagt hat!

Das Seminar selbst wurde, wie immer, eröffnet durch den Chefanalysten der Bremer Landesbank, Herrn Folker Hellmer: Die Politik prägt in 2014 sehr stark den Finanzmarkt: Der geforderte Bankenstresstest begrenzt die Kreditausweitung auch und gerade für auslandsorientierte Kreditsucher, weil eben das hierfür geforderte Sicherheitsprofil nicht in jedem Fall ausreichend erfüllt werden kann. Es ist zu sehen, dass die bisherigen Defizitzonen wie Griechenland sich enorm verbessert haben: Die Neuverschuldung ist von 15,6 % per 2009 auf 4,1 % per 2013 trotz eines Rückgangs des BIP um 25 % gemindert worden. Außerdem sind mittlerweile enorme Rohstoffvorkommen in Griechenland bekannt geworden. Die EURO-Zone zeigt eine Verbesserung in Griechenland, hat aber auf das bisherige S&P-Rating noch keinen Einfluss bewirken können: Ebenso Portugal, Spanien, Irland und vor allem Deutschland haben sich wesentlich verbessert. Demgegenüber haben sich die erstrangig beurteilten Staaten wie UK und USA sowie Japan zwar im Haushaltssaldo verbessert, aber sie liegen weit unter dem europäischen Schnitt des Haushaltssaldos und genießen dennoch ein besseres S&P-Rating (Das zeigt, wer hier die Ratingnormativen setzt!).

Dieser aufgezeigte Trend wird sich auch in 2014 fortsetzen.

Herr Hellmeyer betonte, dass die Devisenreserven in China bei 3,9 Bill. EUR liegen, wobei die USA nur 200 Mrd. EUR aufzuweisen habe, Russland dagegen schon mehr als 500 Mrd. EUR! Auch hier zeigt sich, dass die Wirtschaft der USA stark durch ihren „Marketing-Weltauftritt“ vorteilhaften Schein schafft, der durch die Datenlage nicht angemessen reflektiert wird.

 Selbstverständlich belegte Herr Hellmeyer die gesamten Prognosen und Herleitungen seiner Daten mit zahlreichen Charts, so dass den Zuhörern schon auch visuell die Entwicklungssituation der Übersichtsstaaten verschafft werden konnte. Die europäische Defizitkrise wird sich mit einem Wahrscheinlichkeitsfaktor von 90 % verbessern; die Zinspolitik wird weiterhin auf Niedrigniveau verharren.

Angesichts der erwarteten steigenden Weltbevölkerungszahlen wird auch das Wirtschaftswachstum weiterhin wachsen. Die USA wachsen um etwa 2,5-3,0 %, die EURO-Zone bis 2 %, davon alleine Deutschland mit erwarteten 2,0-2,5 %.

Die BRIC-Staaten wachsen dagegen deutlich stärker: China um 8 %, Indien um 6 %, Brasilien um 3,5 %, nur Russland wächst voraussichtlich etwa um 2 %. Man kann also sagen, die EURO-Zone ist besser als ihr Ruf und verdient nachhaltige Solidarität! Die Weltwirtschaft hat deutlich positives Potenzial. Die Krisenherde der Welt wie Syrien, USA-Saudi, China und Ukraine werden zwar nicht bereinigt, aber auch keinen Erdrutsch verursachen. Die EURO-Zone ist gut entwickelt und hat weitere Wachstumschancen; das Schüren von Sorgen um Neuverschuldung und Staatsdefizite im Euroraum ist eher Ergebnis von (gezielten?) Fehlinformationen durch Presse und Politik als nach Wahrscheinlichkeitsindikatoren begründet! Zum Schluss der gewohnt spektakuläre Blick in die Zukunft: Hellmeyer prognostiziert die DAX-Entwicklung für 2014 auf 10.500 Punkte, was, wie die Besucher vorangegangener Veranstaltungen wissen, auch in der Vergangenheit stets verblüffend zutreffend war! Hellmeyers Einschätzung der Situation: „Das Glas ist mehr als halbvoll“!

Der ehemalige Staatssekretär Volker Schlegel, seinerzeit Botschafter im fernen Osten (Singapore und Jamaika) sowie Wirtschaftsgesandter in Washington, und heute Berater international tätiger Unternehmen, hat den Auslandsmarkt einmal danach aufgeteilt, welche Gebiete den Großkonzernen vorbehalten bleiben werden und welche Möglichkeiten der deutsche Mittelstand hat.

Zwar ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf Rekord-Tiefstwert, der Haushalt 2015 soll ohne Neuverschuldung bleiben, aber man muss sehen, dass die Politik die bislang hervorzuhebenden Stärken Deutschlands konsequent abbaut:

Plünderung der Rentenkassen, Ignoranz gegenüber der demographischen Entwicklung und überzogene Leistungen an den öffentlichen Dienst belasten Deutschland übermäßig. Die Infrastruktur ist überaltert für ein Industrieland, die Energiepreise sind im internationalen Vergleich bedrohlich, die Entwicklung der EZB-Politik ist unabsehbar: Folge: Es ist zwar kein Absturz in Sicht, aber Vorsicht ist geboten!

Deshalb sind Mittelständler gut beraten, frühzeitig Auslandskontakte herzustellen:

In der EU bestehen weiterhin große Unterschiede in den Entscheidungsparametern für unternehmerische Ansiedlungen wie Steuern, Schutzrechte, Persönlichkeitsrechte, Exportkontrollen oder Ähnliches; die sozialen Sicherungssysteme sind unterschiedlich investitionsfördernd oder -hemmend, ebenso das Arbeitsrecht oder die Einwanderungspolitik. Hier hat der Mittelständler schlichtweg Anpassungsprobleme. Das gilt natürlich für außerhalb der EU liegende Märkte erst recht. Zwar wurde im Dezember 2013 die WTO-Einigung erzielt, was Zollerleichterungen und bessere Ausfuhrmöglichkeiten für die Agrarwirtschaft bringt, wodurch neue Jobs entstehen, aber die Gefahren einer Externalisierung dürfen nicht übersehen werden. Die inter-kulturellen Unterschiede bleiben! Herr Schlegel zeigt eine Fülle von internationalen Ansprechpartnern auf, wie etwa den DIHK, der weltweit Kammern vor Ort mit lokalen Infos unterhält, den BDI, sonstige Ländervereine und die Handelsgesellschaften in Hamburg und Bremen. Wenn man die Aufzählung intensiv verfolgte, zeigt sich dem Mittelständler, dass er für weltweite Expansionen genügend Ansprechpartner auf hohem Niveau findet! Herr Schlegel empfiehlt Probemitgliedschaften in externen Organisationen, um Eingang zu finden in fremdlokales Denken und Handeln. Er zeigt auch die großen Herausforderungen für die chinesische Gesellschaft auf, weil China mehr Exporte zur Erlangung von Hightechtechnologie tätigen muss, China muss Marktwirtschaftsregeln einführen und Riesen-Investitionen im Umweltschutz vornehmen, wenn es nicht hinnehmen will, dass die Städte nicht mehr bewohnbar sind! Das frühere politische Wirtschaftscredo „Wachstum um jeden Preis“ schafft eine unbewohnbare chinesische Heimat!

Der weltweit bekannte und erfahrene Hotel- Manager Carsten K. Rath, Gründer und CEO der Lifestyle Hospitality & Entertainment Management AG, Unternehmer und Hochschuldozent, packte das Publikum als überzeugter Service- und Qualitäts-Enthusiast.

Er referierte zum Thema Service Excellence.

Weil die Produktunterscheidung im Lauf der Zeit nahezu vollständig verwässert ist, muss letztlich der Service am und mit dem Produkt so verbessert werden, dass dennoch ein Unterscheidungsmerkmal zum Konkurrenten vorhanden ist. Der Kunde steht im Mittelpunkt, was Herr Rath eindrucksvoll am Beispiel IKEA und der Entwicklung der Möbelindustrie klarstellte: Während zunächst nur über die Produkte und die Serviceleistungen zum Produkt um Kunden geworben wurde, warb IKEA mit dem bekannten Markterfolg die Kunden unmittelbar, indem IKEA ihn in den Mittelpunkt seiner Aktivität stellte (Beispiel: Der Kunde, der seinen Ehepartner zum Einkaufen mitbringt, erhält ein besonderes Geschenk).

Die Zeit, Konkurrenten zu kopieren, sei vorbei.

Herr Rath berichtete aus seiner Erfahrung, dass es gewisse Indikatoren für besonderen Service in Hotels gibt, die schon beim Eintreten ins Hotel zumindest unterschwellig empfunden werden: Das Hotelpersonal müsse sich auf den Kunden, gerade wenn er zum mehrfachen Male im Hotel ist, eingestellt haben und dessen Spezialitäten kennen und beachten.

Zum Service Excellence gehört auch die korrekte, nicht einseitig bevorzugende Behandlung des einen gegenüber dem anderen Kunden, was sonst zu Misstrauen und Unzufriedenheit führt. Herr Rath unterstrich seine Beispiele mit humoristischen Effets. Er veranschaulichte, dass „Service ohne Herzlichkeit Arroganz ist“!

Herr Dr. Andreas Fromm erläuterte sodann persönliche Haftungsrisiken des Unternehmers, die dieser zu erspüren habe. Hierbei erläuterte er die Besonderheiten einer Geschäftsführerhaftung, die vielen Unternehmern in GmbH gar nicht bewusst ist.

 Ohne im Einzelnen das zu wiederholen, ist darauf zu verweisen, dass der Geschäftsführer stets und ständig unter Straf- und Haftungsandrohung die Lage seiner Gesellschaft im Blick haben muss: Der muss sofort bemerken, wann das Unternehmen insolvent (überschuldet) ist, um ebenso konsequent und sofort reagieren zu können: Übergeht er z. B. den Zeitpunkt der eingetretenen Überschuldung, so haftet er ab diesem Zeitpunkt mit seinem vollständigen Privatvermögen für alle Gelder, die nach diesem Zeitpunkt (den der Insolvenzverwalter auch Jahre zurück retrospektiv feststellen kann) für jedes an seine GmbH gelangte Geld (Umsatz), das wieder ausgegeben wurde und deshalb nicht mehr vorhanden ist (und sei es für den Erwerb von Waren, um diese im laufenden Geschäft weiter einzusetzen).

Dass Geschäftsführer auch für Steuerbelange haften, ist bekannt. Ebenso ist bekannt, dass Geschäftsführer nur im Rahmen des Unternehmensgegenstandes tätig werden dürfen, also nicht außerhalb des Gegenstandes („ultra vires“), weil dadurch entstehende Haftungsrisiken ihn persönlich treffen und nicht von der GmbH zu tragen sind. Herr Dr. Fromm verweist auf die so genannte Geschäftschancenlehre, wonach der Geschäftsführer nicht eine durch die GmbH aufgebaute Geschäftschance für sich selbst nutzen darf, wodurch er die GmbH schädigen würde.

Er erwähnt auch, dass der Geschäftsführer gerade für die Abführung von Soziallasten und Lohnsteuern bei Arbeitnehmern besonders im Fokus der Beobachtung steht, wobei er sich schnell regresspflichtig und strafbar machen kann, wenn er die ihm obliegenden Erklärungs- und Abführungspflichten verletzt (etwa bei Arbeitnehmerbeiträgen, Lohnsteuern, Umsatzsteuern).

 Nach der Mittagspause kam dann Herr Alexander Dörsam, Gesellschafter und „Techniker“ einer Cyber Security Gesellschaft, der Antago GmbH, zu Wort. Er verblüffte alle Zuhörer mit seiner Darstellung, wie IT-Systeme in Firmen von außen missbraucht werden können, wie sie zu Schädigungen benutzt werden und wie wenige repressive Schutzmittel etwa durch Strafverfolgung zu Gebote stehen! Weder Polizei noch Landeskriminalämter sind überhaupt in der Lage, IT-Vergehen zu erfassen und zu verfolgen: Es fehlt oft am Tatnachweis und erst Recht am Täternachweis.

Er zeigte im Life-Hacking, wie ohne ausreichenden Schutzwall arbeitende Unternehmer (gerade des Mittelstandes) gefährdet sind! Er erwähnt, dass ein Hacker jederzeit in der Lage ist, Handy und Navigationsgerät eines Dritten so zu manipulieren, dass ihm nachgewiesen werden kann, wo er sich aufgehalten habe (obwohl dies gar nicht der Fall war!). Er zeigte (mit Hilfe frei und legal herunterladbarer Software), dass es ohne großen Aufwand gelingt, über die Domain einer Firma an sämtliche dazugehörigen E-Mail-Adressen und weitere Informationen zu gelangen, so dass letztlich nach (elektronischer, automatischer) Auswertung ein Unternehmensprofil entsteht. Aus einem solchen Unternehmensprofil kann unter Umständen herausgelesen werden, wo und wie eine Firma „erpressbar“ sein kann. Mit wenigen Schritten zeigte Herr Dörsam beeindruckend auf, wie leicht es gelingen kann, den Absender „zu verfälschen“, so dass der Empfänger glaubt, eine E-Mail von einer ihm vertrauensvoll scheinenden Quelle erhalten zu haben. Dass kann natürlich dann fatale Folgen haben, wenn z. B. ein Ausspäh-Virus (Trojaner) versandt wird.

Herr Dörsam zeigte die Leichtigkeit des Datenabschöpfens (Phishing) bei Unternehmen, die ohne Firewall und/oder ohne Passwort-Schutz arbeiten.

Sein Fazit lautete: 100%ige Sicherheit gibt es im Internet nicht; Sicherheit eines Unternehmens wird nur durch eigene Skepsis und die Skepsis der Mitarbeiter geschaffen.

Alsdann führte uns der Vorstand der Doeres AG, Ulrich Doeres, (dem es ad hoc gelang, seinen Vortrag so zu aktualisieren, dass er ins bis dahin laufende Repertoire des Seminars vom Dirigenten bis zum Service Excellence-Gedanken passte) zu IT-Strategien: Nicht die Daten, die über die IT-Geräte gesammelt werden, sind entscheidend, auch nicht die Informationen hieraus, sondern maßgeblich ist das Wissen, was aus den Daten und den Informationen in abstrakter Form abgeleitet werden kann: IT ist nur ein Hilfsmittel, nicht Selbstzweck. Der Mensch hat die ihm bekannt gewordenen Informationen aus den zusammengetragenen Daten ab-strakt zu einem Kenntnisbild zu führen, dass er sein Wissen konkret für konkrete Aufgaben prägt und dieses dann in den Markt abgibt.

Im Anschluss daran referierte Herr Dr. Michael Fromm zu Erfordernissen für einen rechtssicheren Internetauftritt:

Er interpretierte das Telemediengesetz (TMG) und die besonderen Pflichten des elektronischen Geschäftsverkehrs und machte klar, dass Diensteanbieter diese strikt zu beachten haben, wenn sie Abmahnungen (die nur Geld kosten und auch vertragliche Auswirkungen haben können) vermeiden wollen. Wer über das Internet verkaufen will, hat eine vollständige Offenlegung aller relevanten Daten dem möglichen Kunden gegenüber vorzunehmen. Hier gilt das, was die Unternehmer „alter Schule“ noch als Anforderung an den lauteren Wettbewerb kennengelernt haben, nämlich die Erkennbarkeit von Angeboten zur Verkaufsförderung, klare Identifizierbarkeit des Anbieters, Erkennbarkeit des kommerziellen Charakters! Herr Dr. Fromm zeigte die Informationspflichten bei Verbraucherverträgen auf und beriet über die Risiken bei fehlerhafter Information: Dem Unternehmer droht wegen Verstoßes gegen Marktverhaltensregeln eine Abmahnung, die erfolgen kann durch Wettbewerbszentralen, Konkurrenten oder Verbraucherschutzverbände; außerdem ist bei falschen oder nicht formgerecht erteilten Widerrufsbelehrungen der Käufer nach jetzigem Recht auf „ewig“ zum Widerruf berechtigt (also nicht nur auf 14 Tage bzw. einen Monat). Bei anderen Fehlern, insbesondere betreffend die Informationspflichten, kann sich  die Widerrufsfrist zudem selbst bei ordnungsgemäßer Widerrufsbelehrung auf 6 Monate verlängern.

Sodann wurde kurz der Blick auf das „Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherrechterichtlinie“, die ab 13. Juli 2014 in Kraft tritt, gelenkt: Hier wird das Widerrufsrecht Europa-einheitlich auf 14 Tage begrenzt; bei Verletzung der Vorgaben zur Widerrufsbelehrung verlängert sich diese Frist um maximal ein Jahr. Es gilt ein einheitliches Widerrufsbelehrungsmuster, das in alle Internetverträge Eingang finden sollte. Zudem muss der Unternehmer künftig u.a., neben erweiterten Informationspflichten, auch auf die Musterwiderrufserklärung hinweisen.

Herr Dr. Fromm informierte sodann über weitere gewerbliche Rechtsschutzwege im Wettbewerbsrecht, Urheberrecht und Markenrecht: Der lautere Geschäftsverkehr verlangt das Weglassen von Handlungen, die Mitbewerber, Verbraucher oder sonstige Marktteilnehmer unbillig beeinträchtigen: So wird ein fairer und unverfälschter Wettbewerb gewährleistet. AGB müssen stets auch dem Internetkäufer zugänglich sein. Sie sind möglichst knapp und „sauber“ zu halten, insbesondere ohne Verbraucher- oder Kundeninformationen, die als AGB-Inhalte problematisch werden können.

 Mit dieser juristischen Expertise sollten Internetverkäufer gewarnt und vorbereitet werden auf sich stets weiter verschärfenden Maßgaben in diesem speziellen Handelssektor.

Der Geschäftsführer der Veranstaltungs-Unternehmung FROMM Corporate Finance, Herr Sommer, trug vor, wie ein Unternehmen mehr „Finanzsicherheit“ durch Steuerung seiner Bonitätsinformationen in den Markt erreichen kann:

Hier darf nicht unterschätzt werden, wie wichtig für den, der einen Marktteilnehmer in seiner Bonität beurteilen soll, etwa Schilderungen von Kunden sind, Auskunfteien oder sonstigen „bekannten“ Informationsquellen, so dass der Kunde selbst darauf hinarbeiten sollte, solche positiven Informationen an die Auskunfterteiler zu lancieren. Hierzu gehören auch Mitarbeiterinformationen, die solche Bonitätsrechercheure gerne in Anspruch nehmen, ob etwa das Unternehmen „fair“ zu seinen Mitarbeitern ist („Gender“-Management) und ob seine Marktteilnahme „nachhaltig“ und qualitativ hochwertig über eine längere Betrachtungsdauer ist.

Das Schlussreferat bot dann die Handelsblatt-Kolumnistin und Fachhochschul-Dozentin Gabriele Schlegel, zugleich Geschäftsführerin des Instituts für Business Behaviour, in gewohnter Souveränität: Genau über dieses Thema sprach sie auch: Nach Wortexegese, was unter Souveränität zu verstehen sei und wovon diese schon von Kindesbeinen bei einem Menschen geprägt werde, führte sie eine Fülle von Beispielen vor, wie Souveränität gezeigt und gelebt wird:

Kleidung vermittelt einen Eindruck, die Begrüßung natürlich ebenso wie der dabei zu wahrende Augenkontakt. Auch die Stimme belegt, ob jemand souverän ist oder angstvoll; die Körpersprache belegt die Souveränität oder verrät den Nichtsouveränen. Frau Schlegel verwies auch auf den Reflex, dass die Körperhaltung Einfluss nimmt auf die Gedanken eines Menschen: Der „Trauerkloß“ hat traurige Gedanken, die er dem Gegenüber auch ohne Worte vermittelt (die dieser aber regelmäßig gar nicht wahrnehmen will). Die äußere Souveränität zeigt sich im Auftritt: Verklemmte Beine, starre Arm- und Handhaltung (im Gegensatz zu geschlossener Handhaltung) zeigen, wie souverän der Gegenüber ist: Frau Schlegel differenziert fünf Säulen souveräner Kommunikation: Die positive Einstellung, den Blickkontakt als physische Präsenz, die professionelle Stimmlage als Stimmpräsenz, die über Ruhe, Tempo, Gereiztheit oder Nervosität Auskunft gibt, die Ausstrahlung und die emotionale Dickhäutigkeit, die dem Gegenüber vermittelt werden kann.

Auch mit diesem Schlussreferat setzte Frau Schlegel einen Höhepunkt der Veranstaltung, die mit zahlreichen „Mehr“-Werten danach ihr Ende fand.

Wir danken nochmals allen Seminarteilnehmern und Referenten für ihre Teilnahme, die Förderung der Themen- und Erkenntnisfindung, und hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr (am 19./20.04.2015) wiedersehen können.

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Bilder:
www.knipserklaus.de

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